Von draußen, vom Walde kommen wir her , überall Bäume um uns herum. Jeder hat jetzt einen Tannenbaum zuhause , wir hatten ganz viele. Trotzdem war das nicht weihnachtlich. Es war kalt, dunkel, ohne Schutz, ohne unsere Mama . Zu klein, um zu verstehen, warum niemand kam. Groß genug, um Angst zu haben.

Wir sind Jolanda und Jeremias – Zwei Kinder, ganz allein im feuchten Laub , während anderswo Lichterketten leuchten und es nach Punsch und Plätzchen riecht.

Ich, Jeremias, war der erste, der gesehen wurde, als ich hilfesuchend über einen Feldweg lief. Aufmerksame Menschen haben die Tierhilfe informiert und die haben eine kameraüberwachte Futterstelle eingerichtet . Die Kamera lief und Nächte vergingen. Und was haben die Menschen drauf gesehen? Jeremias und – Überraschung ! Mich, Jolanda! Am nächsten Tag wurden wir eingesammelt. Und das war Rettung in letzter Sekunde, sozusagen ein Weihnachtswunder . Denn der Hunger tat so weh, wir waren geschwächt und voller Parasiten und mit schlimmem Durchfall . Und wir hatten so große Angst . Aber nun waren wir im Warmen und diese ruhige Stimme, die immer sagte, daß alles gut werden wird. Unsere Pflegemama – geduldig, Tag für Tag, ohne Druck, ohne aufzugeben… und sie übernahm auch unsere Namenspatenschaft! Passt perfekt ! Und langsam wurde es heller. Nicht draußen, sondern in uns. Schon nach kürzester Zeit lassen wir uns streicheln, wir schmusen, wir schnurren. Bauch kraulen ist inzwischen erlaubt !

Von draußen, vom Walde kommen wir her . Aber jetzt sind wir angekommen – in Sicherheit. Und ganz bestimmt werden wir schon bald unser eigenes Zuhause suchen. Jetzt wissen wir: Weihnachten ist nicht dieser Baum. Weihnachten ist, wenn jemand hinschaut, uns nicht einfach im Wald läßt, sondern Liebe schenkt .